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10 Jahre Arbeitsgemeinschaft Diabetes und Endokrinologie ( ADE )
Rheinland – Pfalz e.V.

Regionalgesellschaft der Deutschen Diabetes Gesellschaft

In den letzten 20 Jahren überstürzten sich die Fortschritte in der Diabetologie. Neue Diabetesformen wurden entdeckt, man gewann Vorstellungen zur Pathogenese des Spätsyndroms und entwickelte neue Therapieformen. Dies zog einen Paradigmawechsel im Gesamtbehandlungskonzept des Diabetes mellitus nach sich. Das Älterwerden unserer Gesellschaft wird die Diabeteshäufigkeit verdrei- bis vervierfachen und damit zusätzlich zu der Dysproportion unserer Alterspyramide für das gesamte Sozialsystem zu einer enormen Belastung führen. Neue Strategien zur Behandlung der Langzeiterkrankung Diabetes und seiner Komplikationen mußten entwickelt werden, die weit über die konventionellen ärztlichen Tätigkeiten hinausgehen und wie andere komlexe Erkrankungen ein Team von Therapeuten erfordern. 1983 wurde in Deutschland die Diabetesberaterin DDG geschaffen, ihr folgten der speziell weitergebildete Arzt, der Diabetologe DDG, die Diabetesassistentin DDG, der diabetologisch geschulte Podologe und Orthopädieschuhmacher sowie speziell weitergebildete Psychologen. Ambitionierte Augenärzte und Gynäkologen vertieften ihr diabetologisches Grundwissen.

Die therapeutische Vielfalt zwang zum Schulterschluß der diabetologisch Interessierten nicht nur innerhalb der Muttergesellschaft, der Deutschen Diabetes Gesellschaft , sondern vor allem auf regionaler Ebene. Die Keimzelle eines Zusammenschlusses auf Landesebene lag in Rheinland-Pfalz in der ehemaligen Klinik für Innere Medizin, Endokrinologie und Stoffwechselerkrankungen in Mainz. Ausgehend von einer Initiative von Prof. Beyer, Dr. Küstner und anderen, wurde erfolgreich versucht weitere Interessenten aus allen Regionen von Rheinland – Pfalz zusammenzufassen, mit dem Ziel eine Arbeitsgemeinschaft für Diabetes und Endokrinologie in Rheinland-Pfalz zu gründen. An der ersten Gründungsversammlung, am 20.04.1994 in Mainz, nahmen Vertreter aus allen Regionen des Landes teil.


Gründungsmitglieder waren ( in alphabetischer Reihenfolge ):

Prof. Dr. Beyer, Mainz, Prof. Dr. Brass, Ludwigshafen, Prof. Dr. Brockerhoff, Mainz, Dr. Heil, Neuwied, Herr Herrmann, Schwabenheim, Dr. Hettinger, Trier, Frau Dr. Hoffmann, Mainz, Dr. Hübner, Bad Neuenahr, Frau Dr. Kieninger, Mainz, Dr, Kreiter, Kaiserslautern, Dr. Küstner, Mainz, Dr. Kunt, Annweiler, Dr. Münzel, Koblenz, Frau Dr. Reichert, Landau, Dr. Rudolf, Kaiserslautern, Dr. Sammler, Kaiserslautern, Priv. Doz. Dr. Schleiffer, Ludwigshafen, Dr. Siebner, Trier.


Als Ziele wurden definiert:

  • Vermittlung neuester Erkenntnisse in Diagnostik und Therapie des Diabetes mellitus und endokrinologischer Erkrankungen.
  • Durchführung regelmäßiger Veranstaltungen und Symposien.
  • Einführung und Verwirklichung moderner Qualitätsstandards in der Diabetestherapie
  • Aus- und Weiterbildung von Diabetesberaterinnen und Diabetesassistentinnen.
  • Zusammenarbeit mit den Laienorganisationen und anderen kooperierenden Institutionen und Gruppen.


Dem ersten Vorstand gehörten an:

Prof. Dr. Beyer als 1. Vorsitzender, Dr. Küstner und Herr Herrmann als 2. Vorsitzende und Stellvertreter, Frau Dr. Hoffmann als Schriftführerin und Dr. Heil als Schatzmeister. Spätere Vorstandsmitglieder waren bzw. sind: Priv. Doz. Dr. Kunt, Annweiler, Frau Dr. Reichert, Landau, Frau Dr. Brunk-Loch, Idar-Oberstein, Dr. Balks, Kaiserslautern, Dr. Burchert , Mainz, Herr Maxeiner, Bosenheim, Prof. Dr. Steinmetz, Andernach.

Der Vorstand der Deutschen Diabetesgesellschaft nahm diese Entwicklung, bei der der ADE Vorbildfunktion zukam, auf und beschloß das Konzept der Regionalgesellschaften. So wurde die ADE eine der ersten Regionalgesellschaften der DDG. Vorausgegangen war seit Jahren eine rege Fortbildungstätigkeit für Patienten und Ärzte. Die ADE übernahm diese nach ihrer Gründung und institutionalisierte regelmäßige Workshops, Symposien und Tagungen. So werden anläßlich der jährlichen Frühjahrstagungen in Übersichtsreferaten von kompetenten Rednern die Hauptgebiete und Neuerungen in der Diabetologie, begleitet von Workshops, abgehandelt. Parallel hierzu finden über das Jahr verteilt Veranstaltungen zur Fort- und Weiterbildung für Ärzte und Assistenzberufe, wie der Diabetesberater/innen und Diabetesassistenten/innen statt.

Die Weiterbildungsaktivität erstreckt sich zwischenzeitlich nicht nur auf die Ausbildung der Assistenzberufe und die Durchführung von 80 Stunden - Kursen zum Diabetologen, auch die Ausbildung zum Diabetesberater/in wurde in einer gemeinsamen Aktion mit den Gremien der DDG, insbesondere Frau Osterbrink, in Rheinland-Pfalz etabliert. Dies nahm die Landesregierung von Rheinland-Pfalz mit tatkräftiger Unterstützung durch Frau Neese zum Anlaß den Ausbildungszweig zum Diabetesberater in die Liste der staatlich anerkannten Weiterbildungen von Rheinland-Pfalz aufzunehmen. Damit wurde erstmalig in der Bundesrepublik dieser Weiterbildungszweig als staatlich anerkanntes Berufsbild eingeführt.

In diesem Zusammenhang muß die Mitarbeit einer großen Zahl von Mitgliedern der ADE im Landesdiabetesbeirat, eines Beratergremiums des Landtags von Rheinland-Pfalz, genannt werden.

Im Jahr 2002 beschloß die Landesärztekammer Rheinland-Pfalz mit dem Diabetologen eine gebietsübergreifende Fachkundebezeichnung einzuführen. Damit soll eine breitere diabetologische Weiterbildung in erster Linie der in der Praxis arbeitenden Ärzte erreicht werden und die weiterhin vorhandenen Defizite in der diabetologischen Grundversorgung beseitigt werden. Mitglieder der ADE gemeinsam mit der Akademie für Ärztliche Fortbildung der Landesärztekammer Rheinhessen hatten hieran maßgeblichen Anteil, insbesondere an der Durchführung der 80-Stundenkurse in Diabetologie und der Bereitstellung qualifizierter Hospitationsplätze in Klinik und Praxis.

Entsprechend den weiteren Zielen der ADE wurden vom Vorstand verschiedene Arbeitsgruppen geschaffen. Die aktivste, die Arbeitsgemeinschaft Diabetischer Fuß um Frau Dr. Brunk-Loch, baute auf einer bereits vorher von Mitgliedern der ADE aus Rheinland-Pfalz ins Leben gerufenen Sektionsarbeit auf, mit den Zielen die vorhandenen Aktivitäten auf diesem Sektor zu bündeln, eine intensive Weiterbildung zu fördern, die Qualität der Arbeit zu verbessern und ein Zertifizierungsverfahren zur qualitativ anerkannten und schwerpunktmäßigen Behandlung des diabetischen Fußsyndroms zu schaffen. Diese Arbeitsgemeinschaft wurde von der AG Fuß der DDG. anerkannt. In Rheinland-Pfalz sind zwischenzeitlich mehr als 12 Fußambulanzen zertifiziert. Ein Zertifizierungsprogramm für Orthopädieschuhmacher beginnt zur Zeit. Andere Arbeitsgruppen zu den Themen Fettstoffwechsel, Oculopathie und Neuropathie sind derzeit im Entstehen.

Die Mitgliederzahl der ADE ist inzwischen auf 260 angestiegen. Die größte Zahl der diabetologisch aktiven und engagierten Ärzte und Therapeuten gehören damit zu ihren Mitgliedern. Die enge Zusammenarbeit mit den am Diabetes interessierten Vereinigungen, wie dem Deutschen Diabetikerbund, Landesverband Rheinland-Pfalz, der Bezirksärztekammer Rheinhessen und der Landesärztekammer Rheinland-Pfalz, insbesondere der Akademie für Ärztliche Fortbildung unter Leitung von Prof. Nix, einzelnen Krankenkassen sowie engagierten ambulanten Weiterbildungsstätten und Krankenhäusern bezeugt die Bedeutung, die die ADE inzwischen auf dem Gebiet der Diabetesbetreuung gefunden hat.

So wurde die ADE in den ersten 10 Jahren ihres Bestehens zu einer meinungsbildenden Vertretung der diabetologisch engagierten Ärzte und anderen diabetologisch interessierten Therapeuten in Rheinland-Pfalz.. Es gelang ihr durch Mitarbeit in den verschiedensten Gremien, Weichen zu stellen und für die diabetologische Versorgung Maßstäbe zu setzen. Mitgliedern der ADE gelang es entscheidende Dinge weiterzuentwickeln, wie die Ausbildung zum Diabetesberater/in, und mit allseitiger Unterstützung zur staatlichen Anerkennung zu verhelfen und damit über Rheinland-Pfalz hinaus Signale zu setzen.

Prof. Dr. Jürgen Beyer
1. Vorsitzender 1994 - 2001
Dr. Ernst Küstner
Mitbegründer der ADE
Prof. Dr. Armin Steinmetz
1. Vorsitzender seit 2001


(Erschienen in DIABETES AKTUELL 10/2004)