Nachruf zum Tod von
Dr. med. Ernst Küstner
17.07.1956 – 08.07.2026
24.07.2026 | 09:51 Uhr
Diabetologe und Endokrinologe, Nieder-Olm
Ein Wegbereiter und Begleiter der bundesdeutschen Diabetologie ist tot. Dr. Ernst Küstner hat bundesweit zu einem entscheidenden Wechsel und damit zu einer verbesserten Behandlung von Menschen mit Diabetes mellitus beigetragen!
Nachdem im Jahr 1989 in der Erklärung von St. Vincent für Europa konkrete Ziele um relevante Diabetes-Folgeerkrankungen deutlich zu reduzieren formuliert wurden, trat er ruhelos für eine bessere Versorgung der Patienten mit dieser chronischen Erkrankung ein. Er lud führende Mitstreiter in die Nähe seiner Heimatgemeinde Guntersblum ein, dort brachte man 1993 gemeinsam die Oppenheimer Erklärung zur „Amputationsvermeidung beim Diabetischen Fuß“ auf den Weg: Immer sollten ein diabetologisch erfahrener Arzt und ein Gefäßchirurg vor einer geplanten Amputation bei einem Patienten mit Diabetes konsultiert werden.
Im gleichen Jahr war er zusammen mit einer ärztlichen Kollegin maßgeblich an der Aktion eines Kostenträgers unter dem Titel „Diabetes eine Herausforderung“ in allen größeren Städten von RLP zur Aufklärung der Bevölkerung im Einsatz. Zu dieser Zeit als Diabetologe und Endokrinologe an der Universitätsklinik Mainz, lieferte er zudem mittels Stoppuhr im Arztkittel Zeitdaten für die Patientenschulungen zur Grundlage des Selbstmanagements der Betroffenen mit Diabetes.
Mit Hilfe der AOK Rheinland-Pfalz und deren in Sachen Diabetes engagiertem damaligen Vorstandsvorsitzenden Bockemühl wurden die bundesweit ersten qualitätsgesicherten Patienten-Schulungsverträge mit niedergelassenen Diabetologen DDG sowie mit Krankenhäusern geschlossen, die sich der Ausbildung von diabetologischem Nachwuchs widmeten - letzteres ein bundesweit absolutes Novum,
Quirlig, engagiert und wortgewandt, setzte er sich in vielen bedeutenden Gremien für eine verbesserte Behandlungsstruktur ein, all das mit dem Ziel einer fachlich kompetenten und qualitativ hochwertigen Versorgung für Menschen mit Diabetes. Dies hatte er in seiner Zeit in Mainz durch etliche Publikationen im diabetologischen Bereich untermauert. Aus seiner Mainzer Zeit stammen etwa 40 davon zu Insulinen, Blutzucker-Messmethoden, dem Vermeiden von Hypoglykämien und vielen Erkenntnissen zu einer der schwersten Folgeerkrankungen, dem Diabetischem Fuß-Syndrom. Immer wieder betonte er die Wichtigkeit des frühen Einbeziehens von Gefäßchirurgen sowie die Nachsorge betroffener Patienten durch mit dem Diabetes vertrauten, fachkompetenten Orthopädie-Schuhmachern.
Als Prüfer der Weiterbildung zum Diabetologen DDG und LÄK tätig, als Referent geschätzt, Mitglied in der AG Fuß RLP, in der Arbeitsgemeinschaft Endokrinologie und Diabetologie -ADE- sowie über zwei Jahrzehnte in der AOK-Diabetes-Kommission, einem ehrenamtlich den Kostenträger beratenden Gremium.
Unser tiefes Mitgefühl gilt seinen Angehörigen.
Wir alle, die Dr. Küstner kannten, trauern um ihn
Freunde, Wegbegleiter, viele der diabetologisch tätigen Kollegen, Mitarbeiter der beratenden Berufe.
Dr. Christine Grünewald,
Dr. Dietmar Leser,
Marlies Neese (Ehrenmitglied der ADE)
gekennzeichnet.




